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Aspergillose: Wenn Schimmel krank macht

Die Aspergillose ist eine Erkrankung durch bestimmte Schimmelpilze, die hauptsächlich die Lunge betrifft. Sie kann als Infektion verlaufen oder zu einer Allergie führen
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 09.07.2014

Schimmelpilzsporen kommen überall vor, zum Beispiel auf Obst. Nicht immer machen sie krank. Manche Arten können vor allem Abwehrgeschwächten gefährlich werden

Shotshop/Erwin Wodicka

"Inhaliert man die Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus, kann es bei allergischer Veranlagung zu einer allergischen Reaktion, bei Immungeschwächten zu einer Infektion kommen", erklärt Dr. med. Markus Allewelt, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Infektiologie, Oberarzt an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin.

Infektionen mit Aspergillus spielen sich am häufigsten in der Lunge, den Ohren und den Nasennebenhöhlen ab. Seltener infiziert der Pilz aber auch andere Organe wie die Haut, Herz, Leber, Nieren und das Zentralnervensystem. "Aber auch eine innere Besiedlung durch Aspergillus ohne Krankheitswert ist möglich", fügt Allewelt hinzu.

Unterschiedliche Formen

Je nach Immunlage des Infizierten gibt es unterschiedliche Ausprägungen der Aspergillose.

Aspergillom: Das sogenannte Aspergillom kann auch bei Menschen mit gesundem Immunsystem auftreten. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung aus Pilzbestandteilen und Schleim. Ein Aspergillom bildet sich meistens in einem vorbestehenden Hohlraum, wie zum Beispiel einer Lungenkaverne nach einer Tuberkulose oder in den Nasennebenhöhlen.

Aspergillus-Lungenentzündung: Eine Aspergillus-Lungenentzündung (Pneumonie) tritt bei Patienten mit stark beeinträchtigtem Immunsystem auf. Dies kann bei einer Immunsuppression nach einer Organtransplantation, einer Chemotherapie oder einem krankhaften Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie) der Fall sein. Auch Patienten mit AIDS, Blutkrebs oder einer schweren Autoimmunerkrankung können gefährdet sein. Eine extrapulmonale Aspergillose, also eine Infektion außerhalb der Lunge, kann sich unter anderem in den Nasennebenhöhlen, den Ohren, der Haut und diversen anderen inneren Organen abspielen.

Schimmelpilzallergie: Die allergische Form einer Erkrankung durch Aspergillen ist die "allergische bronchopulmonale Aspergillose". Sie tritt vor allem bei Patienten mit Asthma bronchiale auf. "Die Ursache ist hier eine schwere Überreaktion des Immunsystems auf den Aspergilluspilz", erklärt Allewelt.

Ursachen: Was führt zu einer Infektion mit dem Schimmelpilz?

Aspergilluspilze wachsen in feuchter Umgebung auf Heu, Stoffen, Holz, Papier, Tapeten und Blumenerde, aber auch auf Lebensmitteln.

Die Übertragung erfolgt durch das Einatmen von Pilzsporen aus der Luft. Diese werden oft bei Renovierungs- und Bauarbeiten in großen Mengen aus Isolationsmaterialien freigesetzt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Symptome: Wie äußert sich die Infektion?

Die Inkubationszeit der Aspergillose liegt bei Tagen bis Wochen. Patienten mit Lungenaspergillose haben Symptome einer Lungenentzündung, wie Fieber, Husten mit zum Teil blutigem Auswurf und Atemnot. Hinzu können Schmerzen des Lungenfells und Gewichtsverlust kommen. Die Nasennebenhöhlen-Aspergillose äußert sich in Fieber, Druckempfindlichkeit der Nebenhöhlen, Ausfluss aus Ohr oder Nase sowie Kopfschmerzen. Die Aspergillose des zentralen Nervensystems verursacht epilepsieähnliche Anfälle und seltener eine Hirnhautentzündung.

Die allergische Aspergillose zeigt die Symptome eines Asthmas mit Husten und Luftnot.

Diagnostik: Wie erkennt der Arzt eine Aspergillose?

Eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung des Patienten trägt wesentlich zur Sicherung der Diagnose bei. Ein erster Hinweis ist ein beeinträchtigtes Immunsystem.

"Die Diagnose erfolgt in der Zusammenschau mehrerer diagnostischer Methoden, einschließlich Blut- und Röntgenuntersuchungen, sowie endoskopischen Verfahren und der Mikrobiologie", erläutert Allewelt.

Die definitive Diagnose ergibt sich aber erst aus dem Nachweis des Pilzes aus einer Sputum- (Auswurf-) probe oder bronchoskopisch gewonnenen Materialien. Ein Problem ist allerdings, dass der Aspergillus-Keim häufig auch bei Gesunden in den Atemwegen vorkommt.

Behandlung von Aspergillosen

"Moderne Antipilzmittel (Antimykotika) sind der Hauptbestandteil der medikamentösen Therapie. Sie haben eine gute Wirksamkeit bei einem vertretbaren Spektrum von Nebenwirkungen", weiß der Lungenfacharzt. Ein einzelnes, abgekapseltes Lungenaspergillom wird bei Beschwerden meistens chirurgisch entfernt. "Die allergische Aspergillose erfordert eine langfristige Behandlung mit Kortison", erklärt Allewelt. "Da ursächlich eine Aspergillusbelastung im häuslichen Umfeld bestehen kann, muss hier sorgfältig untersucht und das Schimmelproblem, wenn möglich, beseitigt werden."

Vorbeugen: Pilzsporen vermeiden

Da meist immungeschwächte Personen mit schweren Grunderkrankungen betroffen sind, können Aspergillosen gefährlich werden, sogar tödlich verlaufen. "Typische Quellen für Aspergillus, wie zum Beispiel Blumenerde, dürfen im Krankenhaus nicht existieren", erklärt Allewelt. Baustellen in Spitälern müssen gut abschirmt und Staubentwicklung vermieden werden. Zur Aspergillusprophylaxe sollten sich stark immungeschwächte Patienten, zum Beispiel Leukämiepatienten mit einer Hochdosis-Chemotherapie, in Zimmern mit gefilterter Luft aufhalten.

"Durch das allgegenwärtige Auftreten von Aspergillus, auch im eigenen Körper, ist ein absoluter Schutz vor einer Erkrankung leider nicht möglich, die meisten Krankheitsfälle sind daher als schicksalshaft einzuschätzen", fügt Allewelt hinzu.

Beratender Experte: Dr. Markus Allewelt, Facharzt für Innere Medizin

W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. med. Markus Allewelt, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Infektiologie, Oberarzt an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin

Quellen:

- Herbert Hof, Rüdiger Dörris, Medizinische Mikrobiologie: Immunologie, Virologie, Bakteriologie, Mykologie, Parasitologie, Klinische Infektologie, Hygiene, Thieme, Stuttgart (25. März 2009)

- Leitlinie "Invasive Pilzinfektionen-Therapie" der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie u. Medizinische Onkologie e.V., Stand 2012

- Hans-Jürgen Tietz, Pietro Nenoff, Andrew J. Ullmann, Organmykosen auf einen Blick: Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Pilzinfektionen, Thieme, Stuttgart, 2005


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Shotshop/Erwin Wodicka, W&B/Privat

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